Balkonkraftwerk: Was Ausrichtung und Schatten verändern
Die Wattangabe allein sagt nicht, wie viel Strom Ihr Balkon liefert. Bevor Sie Angebote vergleichen, sollten Sie die konkrete Montagefläche und die Grenzen einer Ertragsschätzung kennen.


Das Wichtigste vorab
Ausrichtung und Schatten verändern den Ertrag. Für die Ersparnis zählt zusätzlich, welcher Anteil zeitgleich im Haushalt genutzt wird.
Den Balkon vor der Produktliste prüfen
Notieren Sie die Himmelsrichtung der Modulfläche und die geplante Neigung. Prüfen Sie auch, ob Mauern, Bäume oder der darüberliegende Balkon die Module verschatten. Ein sonniger Eindruck an einem einzelnen Sommertag beschreibt nicht das ganze Jahr. Fotos zu mehreren Tageszeiten helfen, Hindernisse zu dokumentieren; sie ersetzen keine standortbezogene Simulation. Bauliche Eignung und Befestigung müssen zusätzlich geklärt werden.
Ausrichtung beeinflusst auch den Zeitpunkt
Die Ausrichtung verändert den Tagesverlauf der Erzeugung. Deshalb ist die größte Jahresmenge nicht automatisch der größte finanzielle Vorteil für jeden Haushalt. Entscheidend ist auch, wie viel Strom Sie zeitgleich verwenden. Der Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin berücksichtigt unter anderem Ausrichtung, Neigung und Verschattung. Nutzen Sie ein zur Frage passendes Modell und vergleichen Sie Szenarien mit ansonsten gleichen Eingaben.
Was unser Ertragsrechner tatsächlich berechnet
Unser Rechner verwendet historische stündliche PVGIS-Daten aus 2019 bis 2023 und mittelt die Ergebnisse. Modulleistung, Standort, Ausrichtung, Neigung und zusätzliche Systemverluste fließen ein. Die stündliche Leistung wird auf die angegebene AC-Leistung begrenzt. Das bildet weder kurzfristige Leistungsspitzen noch individuelle Schatten durch ein Geländer oder einen nahen Baum vollständig ab. Es gibt keine erfundene Ersatzprognose, wenn die Datenquelle nicht verfügbar ist.
Erzeugung und finanzielle Nutzung auseinanderhalten
Eine eigene Beispielrechnung macht den Unterschied sichtbar: Anlage A erzeugt angenommene 700 kWh, davon werden 40 Prozent direkt genutzt. Anlage B erzeugt 600 kWh, davon werden 60 Prozent genutzt. Bei 32 Cent Strompreis vermeidet A Stromkäufe für 89,60 Euro, B für 115,20 Euro. Die Zahlen sind keine Aussage über Ost- oder Südbalkone. Sie zeigen nur, weshalb Sie Erzeugung nicht mit Ersparnis gleichsetzen sollten.
So vergleichen Sie sinnvoll weiter
Berechnen Sie zuerst die technisch mögliche Erzeugung mit dokumentierten Annahmen. Schätzen Sie den Eigenverbrauch anschließend getrennt und vorsichtig ein. Nutzen Sie für den Angebotsvergleich identische Strompreise und Zeiträume. Liegt ein Angebot nur bei sehr optimistischen Annahmen vorne, halten Sie diese Abhängigkeit fest. Eine einzelne Jahreszahl mit Nachkommastellen ist keine Zusage für Ihren Balkon.
Beispiel zum Nachrechnen
Alle Beispielwerte sind Annahmen und lassen sich mit Ihren eigenen Angaben ersetzen.
| Eigenes Modellszenario | Direkt genutzt | Vermiedene Kosten |
|---|---|---|
| A: 700 kWh × 40 % | 280 kWh | 89,60 € |
| B: 600 kWh × 60 % | 360 kWh | 115,20 € |
Eigene Rechenannahmen bei 32 ct/kWh, ohne Vergütung und Kaufpreis. Kein Vergleich bestimmter Himmelsrichtungen.
Ihre Checkliste
Diese Punkte können Sie direkt prüfen oder für ein Angebot bereithalten.
- Ausrichtung und Modulneigung notieren.
- Schatten zu mehreren Tageszeiten dokumentieren.
- Erzeugung und Eigenverbrauch getrennt annehmen.
- Grenzen der Standortsimulation berücksichtigen.
Mit eigenen Werten prüfen
Quelle, Redaktion und Grenzen
Redaktionelle Verantwortung: Ryan-Jamil Rezgaoui, TooSolv Studio. So prüfen und korrigieren wir Inhalte.
Die Fachquelle ergänzt die Erläuterungen. Rechenbeispiele und Tabellen sind eigene vereinfachte Modellrechnungen mit den jeweils genannten Annahmen; sie sind keine Angebote, Messberichte oder Einspargarantien.
HTW Berlin: Dokumentation des Stecker-Solar-Simulators ↗Quelle abgerufen am 06.09.2026. Die Fotomotive sind KI-generierte Symbolbilder, keine Produktmessungen oder dokumentierten Kundenfälle.


